Frühe Kirchenbauten und die Gegenwart

Im digitalen Corpus der Kirchenbauten mit Bauphasen im ersten Jahrtausend werden zunächst bereits veröffentlichte Texte zu den einzelnen Kirchen gesammelt. Ein nächster Schritt wird die Ergänzung und Verbesserung der Datenerfassung sein.

Archäologische und historische Daten sollten auch in ihrer Relation zu Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gesehen werden. Überlegungen zur geschichtlichen Bedeutung von Kirchenbauten führen über das Dokumentieren, Sammeln und Aufbereiten hinaus und sind mit der Arbeit am Corpus verknüpft.

Nur ein paar Stichworte: Die Geschichte des Kirchenbaus geht in die Antike zurück und ist ein Phänomen in einem geografischen Raum, in dem etwa das Gebiet der heutigen Schweiz nur einen kleinen Platz einnimmt. Immer wieder bedarf es des Blickes über die Grenzen und der Vergleiche.

Bauliche Anlagen für religiöse Zwecke finden sich schon in frühgeschichtlicher Zeit, vielfach fällt ihre topografische und bauliche Heraushebung auf.

Sakralbauten sind in den Kulturen des Altertums, des Mittelalters und der Neuzeit stets etwas besonderes. In den durch menschliche Kultur überformten Landschaften ziehen sie besondere Aufmerksamkeit auf sich. Gleichfalls wird ihnen eine besondere Bedeutung zugeschrieben. Dazu passt es, dass Kirchtürme in Dörfern und Städten zum Ortsbild gehören, oder mit Kapellen und Wallfahrtsorte spezifische Bräuche verbunden sind.

Wie sie sich künftig entwickeln wird, ist offen: Bemerkenswert heute sind etwa die Umnutzung leer stehender Kirchen oder das Wegfallen der Privilegien für den Bau neuer Kirchen, die in modernen Städten zu Projekten neben vielen anderen Bauvorhaben geworden sind und keine rechtliche Bevorzugung geniessen.

Inmitten von Wolkenkratzern von Städten wie New York finden sich heute noch immer Kirchen; seit einiger Zeit kennen wir auch das Phänomen neuer religiöser Räume, etwa in Bahnhöfen, Flughäfen, Gefängnissen, Krankenhäuser, Shoppingmalls, Sportstadien oder Universitäten.

Heute wird unter anderem auch gefragt, ob bestehende Auflagen des Denkmalschutzes für Kirchen nicht geändert werden müssten, was mit Objekten und Materialien aus Sakralbauten gemacht werden dürfe, wie mit vorhandenen Dokumentationen und Inventaren umzugehen sei, ob es Massstäbe für Prioritäten beim Bewahren und Restaurieren gebe, was mit leerstehenden Kirchen zu geschehen sei und welche Nutzungserweiterungen für diese angemessen seien.

Antworten auf solche Fragen ergeben sich in der Auseinandersetzung mit der Geschichte und deren Gegenwart. Die Aufmerksamkeit, welche Sakralbauten über lange Zeiten hinweg bekommen haben und bekommen, zeigt sich in einer beeindruckenden Fülle schriftlicher und materieller Zeugnisse. Diese zu sichten und zu verstehen gehört zu den Grundlagen für einen zeitgemässen Umganges mit einem ebenso reichen wie prägenden kulturellen Erbe.